Mobiles Internet in Indien

Während in Deutschland seit Montag die Lizenzen für die Mobilfunk-Frequenzen der vierten Generation (4G) zur Auktion freigestellt sind, werden in Indien seit Freitag die Frequenzen der Vorgänger-Generation (3G) versteigert. Der indische Handymarkt befindet sich allgemein zwar in einer starken Wachstumsphase was die Nutzerzahl angeht - für ausländische Netzanbieter ist die Gewinnspanne momentan allerdings so gering, dass sich ein Markteinstieg in Indien für sie kaum lohnt. Der Markt gilt allgemein als hart umkämpft - auch an der Auktion der nur drei landesweiten Lizenzen und einer eingeschränkten Lizenz nehmen neun einheimische Anbieter teil. Experten erwarten deshalb einen ausgedehnten Wettbewerb und einen zwei- bis dreiwöchigen Prozess der Versteigerung.

Großer Konkurrenzkampf der Inder Am vergangenen Freitag hat der indische Staat nach mehrmaliger Verzögerung mit der Versteigerung von drei landesweiten Lizenzen und einer in fünf der 22 Lizenzregionen gültigen Zulassung begonnen. Bei den Frequenzen handelt es sich um den UMTS-Standard, der sogenannten dritten Mobilfunkgeneration. Mitbieter sind ausschließlich neun der insgesamt zwölf einheimischen Netzbetreiber. Die Technologie des mobilen Datenverkehrs ist in Indien von besonderer Bedeutung, da das Verlegen von Festnetzleitungen für Internet und Telefon in dem weitläufigen Land sehr kostspielig ist. Als sichere Kandidaten für eine landesweite Lizenz gelten der indische Marktführer Bharti Airtel sowie die drittstärkste Kraft Vodafone Essar. Umso größer ist allerdings der Konkurrenzkampf um die dritte große Lizenz, weshalb sich der indische Staat Einnahmen von umgerechnet sechs Milliarden Euro erhofft. Der staatliche Anbieter MTNL/BSNL hat übrigens bereits vor einem Jahr eine Lizenz erhalten.

Wachsender Markt mit Schwächen Der indische Mobilfunkmarkt ist hinter dem chinesischen der zweitgrößte der Welt und zeichnet sich durch einen großen Konkurrenzkampf aus. Insgesamt agieren zwölf Netzanbieter im Land, die um die 1,2 Milliarden Inder werben, von denen fast die Hälfte (564 Millionen) bereits im Besitz eines eigenen Handys ist. Monatlich kommen rund 20 Millionen neue Kunden hinzu - vor allem in ländlichen und teilweise unerschlossenen Gebieten Indiens. Dieser enorme Wettbewerb hatte in den vergangenen Jahren auch einen Preisdruck zur Folge, wodurch die Sprachtarife auf bis zu 0,75 Cent pro Minute gesunken sind. Zudem machen mobile Datenübertragungen, für welche die derzeit zu ersteigernden Frequenzen nutzbar wären, derzeit nicht einmal drei Prozent der gesamten Umsätze aus.